Beurteilungspraxis an der Schule Konolfingen

1. Funktion der Beurteilung

Wir beurteilen im Schulalltag förderorientiert: Wir geben lernprozessbegleitend Rückmeldungen, die das Lernen stützen und fördern.

Wir beurteilen von Zeit zu Zeit bilanzierend: Wir geben Rückmeldungen, die den Lernzustand zu einem bestimmten Zeitpunkt beschreiben.

2. Lernziele zur Sachkompetenz

Wir unterrichten und beurteilen lernzielorientiert.

Die Lehrpersonen der gleichen Stufe unserer Schule pflegen den Austausch bezüglich ihrer Lernziele.

3. Individuelle Lernziele

Wir weisen die Eltern von Schülerinnen und Schülern mit rILZ darauf hin, dass sie auf eine Note im Beurteilungsbericht verzichten können.

In einem Fach mit rILZ gelten die grundlegenden Lernziele in jedem Fall für die Promotion als nicht erreicht.

Im zusätzlichen Kommentar oder Bericht bei rILZ und eILZ nehmen wir Bezug auf die individuell vereinbarten Ziele und weisen den erreichten Lernstand aus.

Die Weiterführung der Vereinbarung wird jährlich überprüft.


Vor dem Planen individueller Lernziele, wird die Situation mit der Schulleitung besprochen.

Vermag eine Schülerin oder ein Schüler auch mit innerer Differenzierung des Unterrichts und nach Ausschöpfung weiterer Massnahmen wie Aufgabenhilfe oder heilpädagogische Intervention die grundlegenden Ziele nicht zu erreichen, beantragt die Klassenlehrperson nach Absprache mit den Eltern bei der Schulleitung die Anwendung reduzierter individueller Lernziele (rILZ).

Für Schülerinnen und Schüler mit besonderer Begabung, beantragt die Klassenlehrperson analog erweiterte individuelle Lernziele (eiLZ).

4. Isolierte Lernstörungen (Legasthenie, Dyskalkulie)

Schülerinnen und Schüler mit einer isolierten Lernstörung werden gemäss den Richtlinien und Grundsätzen der Erziehungsdirektion behandelt.

Sie können auf Antrag der Erziehungsberatung oder des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes zeitlich befristet den Spezialunterricht mit Schwergewicht im Lesen und Rechtschreiben bzw. Mathematik besuchen. Bei der Leistungsbeurteilung von Schülerinnen und Schülern mit einer durch die obigen Fachinstanzen diagnostizierten Lernstörung ist die verminderte Leistungsfähigkeit in den Fächern Sprache oder Mathematik gemäss dem Merkblatt der Erziehungsdirektion zu berücksichtigen.

Für diese Schülerinnen und Schüler werden nicht automatisch reduzierte individuelle Lernziele gemäss DVBS festgesetzt.

Die Lehrpersonen des Spezialunterrichts beraten die Klassenlehrpersonen. Die Klassenlehrpersonen sind verpflichtet, die Lehrpersonen für Spezialunterricht und die Schulleitung zu konsultieren.

Die Weiterführung der Vereinbarung wird jährlich überprüft.

5. Schullaufbahnentscheide

Erreicht eine Schülerin oder ein Schüler der 1. bis 6. Klasse in der Mehrheit der obligatorischen Fächer keine genügenden Leistungen, so nimmt die Klassenlehrperson rechtzeitig Kontakt mit den Eltern auf und weist sie auf die möglichen Schullaufbahnentscheide hin.

Eine Schülerin, ein Schüler der Sekundarschule wird promoviert, wenn sie / er in höchstens drei der in Art.8 Absatz 2 def. Fächer und Teilgebiete ungenügende Noten aufweist. (De, Fr, Math höchstens eine ungenügende Note )

Sekundarschule: Erreicht eine Schülerin, ein Schüler die oben beschriebenen Bedingungen nicht, wechselt sie oder er in den tieferen Schultyp oder wiederholt die letzten beiden Semester desselben Schultyps.

Realschule: Erreicht eine Schülerin oder ein Schüler in zwei aufeinander folgenden Semestern in der Mehrheit der in Art. 8 Abs. 2 definierten Fächer und Teilgebiete keine genügende Note, so wiederholt sie oder er die beiden letzten Semester.

Für

-       den Übertritt aus der 7. Realklasse in die 7. Sekundarklasse

-       den Wechsel in einen höheren Schultyp

-       die Zulassung zur Mittelschulvorbereitung

stützt sich der Entscheid auf die „begründete Annahme“ (Lernziele mehrheitlich sehr gut erreicht, / eine positive Arbeitshaltung und Leistungsreserven sind erkennbar), dass die Schülerin, der Schüler den gesteigerten Anforderungen zu genügen vermag.

6. Übertrittsentscheide

Für die Empfehlung zur Zuweisung zu einem Schultyp der Sekundarstufe I stützen wir uns auf die prognostische Beurteilung des Lern- und Arbeitsverhaltens und der Sachkompetenz der Fächer Deutsch, Mathematik und Französisch.

Die Beobachtungen der Eltern und die Selbsteinschätzung der Schülerin, des Schülers werden mit der Beurteilung durch die Lehrpersonen verglichen. Stimmen die Beurteilungen nicht überein, so erfolgt eine sorgfältige Neubeurteilung durch alle Beteiligten.

7. Orientierungsarbeiten und Erfahrungsaustausch

Orientierungsarbeiten dienen zur Überprüfung des eigenen Beurteilungsmassstabes. Die Mitteilung, dass ein Kind aufgrund der Orientierungsarbeit empfohlen oder nicht empfohlen werden kann, ist nicht statthaft.

Die Orientierungsarbeiten sind in den normalen Unterricht eingebettet und werden nicht im Voraus bekannt gegeben.

Die Orientierungsarbeiten werden mit den Schülerinnen und Schülern besprochen, aber nicht abgegeben.

Um die Rückmeldegespräche im ersten Semester der Sekundarstufe I zu ermöglichen, bitten die Lehrpersonen der Primarstufe die Eltern anlässlich des Übertrittsgespräches um eine diesbezügliche Ermächtigung.

8. Rückmeldungen an die Schülerinnen und Schüler während des Semesters

Rückmeldungen an die Schülerinnen und Schüler beziehen sich auf die entsprechenden Lernziele und Kompetenzen. Sie drücken aus, wie weit die Lernziele erreicht wurden.

Ab dem 3. Schuljahr erfolgt die bilanzierende Rückmeldung in Form von Lernkontrollen mit Noten. Für die Wahl der jeweiligen Beurteilungsform ist die unterrichtende Lehrperson zuständig.

Prüfungstermine werden mindestens eine Woche vorher bekannt gegeben. Es wird besprochen, wie geprüft wird (nach vorher festgelegten Kriterien). Es wird nur geprüft, was angekündigt ist. Besonders bei Arbeitsbeginn werden die Kinder beobachtet, um eventuelle Missverständnisse der Arbeitsanweisungen zu klären. Der Massstab ist bekannt und wird auf allen Stufen konsequent umgesetzt (Gesamtnote = erreichte Punktzahl geteilt durch max. Punktzahl mal 5 plus 1).

9. Umgang mit Lernkontrollen und Produkten

Lernkontrollen schöpfen die ganze Notenskala aus.

Lernkontrollen dienen zur Steuerung des Lernprozesses und können auch in die Semesterbeurteilung einbezogen werden.

Produkte werden regelmässig auch durch die Schülerinnen und Schüler selbst beurteilt.

Lernkontrollen und Produkte gehören nach der Beurteilung in die Hand der Schülerin, des Schülers.


10. Gesamtbeurteilung am Ende des Semesters

Zum Festlegen der Note stützen wir uns auf Artikel 6 Absatz 5 der DVBS.

Die Note im Beurteilungsbericht ist ein Expertenurteil. Sie entsteht nicht aus dem arithmetischen Mittel von Einzelleistungen.

Die Beurteilung der ALSV hat keinen Einfluss auf die Beurteilung der Sachkompetenz.

In den Fächern Deutsch, Mathematik und in den Fremdsprachen werden alle Teilbereiche in die Gesamtbeurteilung einbezogen.

Alle Bausteine des Beurteilungsmosaiks werden für die Semester-, Jahresbeurteilung einbezogen.

Jede Lehrperson ist in der Gewichtung der einzelnen Bausteine des Beurteilungsmosaiks frei.

Der Beurteilungsbericht enthält auch eine förderorientierte, individuelle Rückmeldung an die Schülerinnen und Schüler.

Die Klassenlehrperson verfasst unter Einbezug der anderen an der Klasse unterrichtenden Lehrkräfte die Beurteilungs- und die Übertrittsberichte.


11. Beurteilung des Arbeits-, Lern- und Sozialverhaltens (ALSV)

Das ALSV ist vom 1. bis zum 6. Schuljahr auch der Inhalt des Elterngesprächs.

Die Beurteilung der ALSV erfolgt auf Grundlagen von spontanen und geplanten Beobachtungen.

Die Lehrpersonen einer Klasse beurteilen das ALSV der Schülerinnen und Schüler gemeinsam.

12. Information der Eltern

Wir informieren alle Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern schriftlich über den Inhalt dieser Vereinbarungen.

Der erste Elternabend in jedem Schuljahr ist auch dem Thema Beurteilung gewidmet:

-       Dabei werden die Grundsätze der Beurteilung, die Beurteilungsformen und die  Schullaufbahnentscheide im kommenden Schuljahr erläutert.

-       Dabei wird auch der Inhalt der Vereinbarungen erläutert.

13. Elterngespräch

Werden an einem Gespräch Abmachungen getroffen, werden diese schriftlich festgehalten und von allen Beteiligten unterschrieben.

Selbstbeurteilung der Schülerin, des Schülers ist Bestandteil des Gesprächs.

Im Gespräch von der 1. bis zur 6. Klasse werden Aussagen zu den Lernzielen,im ALS - Verhalten und der Sachkompetenz gemacht.

Die Klassenlehrpersonen der 7. bis 9. Klasse sind in der Auswahl des Zeitpunkts des Elterngesprächs frei.

Die Klassenlehrperson führt das Gespräch. Bei Bedarf können von der Klassenlehrperson, den Eltern oder der Schülerin, des Schülers weitere Lehrpersonen beigezogen werden.

Für ein Elterngespräch nehmen wir uns mindestens 20 Minuten Zeit.

14. Selbstbeurteilung

Bestandteil der Selbstbeurteilungen sind die Sachkompetenz und das ALSV..

Die Klassenlehrperson ist verantwortlich, dass der Austausch mit der Schülerin, dem Schüler über Fremd- und Selbstwahrnehmung stattfindet.

Für die Selbstbeurteilung der Schülerinnen und Schüler kann jede Lehrperson eigene Formen und Formulare verwenden.

15. Umgang mit freiwilligen, zusätzlichen Berichten

Jeder Lehrkraft ist es freigestellt, wann sie einen freiwilligen zusätzlichen Bericht abgibt.